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Buchtipp: Markus Cheng-Reihe von Heinrich Steinfest

Ein Chinese, der waschechter Wiener ist, nur einen Arm hat und das Unglück magisch anzieht. Schrullige Charaktere sind das Markenzeichen der Bücher von Heinrich Steinfest. So kommt es nicht überraschend, dass Markus Cheng, die Hauptfigur dieser Romanreihe, eine wahre Besonderheit ist.

Neben dem Umstand, dass der Österreicher chinesischer Abstammung immer für einen Touristen, mit dem sich jeder über China unterhalten will, gehalten wird (Cheng selbst war nie dort) passieren ihm im ersten Roman auch ein paar schwere Unfälle, die er mehr oder weniger glimpflich übersteht und ihn zu dem machen was er ist: Einen einarmigen hinkenden Privatdetektiv, dessen Gesicht auch schon bessere Zeiten gesehen hat. Mit jedem Mal, in dem Cheng wieder im Krankenhaus landet und sich sein körperlicher Verfall weiterzieht, tut er einem Leid. Er selbst tut sich jedoch nicht leid und nimmt alles wie es kommt.

Lesen - Heinrich Steinfest - Markus Cheng
(c) Piper

Cheng: Sein erster Fall

Eine mysteriöse Nachricht im Einschussloch einer Leiche bildet den Auftakt für Markus Chengs ersten Fall: „Forget St. Kilda“ Sowohl Cheng als auch die Wiener Polizei können mit der Nachricht nichts anfangen. Die Verstrickungen der Wiener Gesellschaft in den Tod um Chengs australischen Kunden Ranulph Field sind etwas schwer zu überblicken und bedürfen höchster Konzentration. Mehr als einmal musste ich ein paar Seiten zurückblättern, um mir noch einmal alle Beteiligten und deren Tun in Erinnerung zu rufen. Abgesehen davon handelt es sich bei Cheng: Sein erster Fall aber um einen klassischen Heinrich Steinfest, der Lust auf die weiteren Teile dieser Reihe macht.

Lesen - Heinrich Steinfest - Markus Cheng
(c) Piper

Ein sturer Hund: Checks zweiter Fall

Der Schauplatz des zweiten Teils verlagert sich nach Deutschland. Cheng lebt mittlerweile in Stuttgart und arbeitet dort weiterhin als Detektiv. Sein neuer Fall zieht ihn eine abstruse und verzwickte Geschichte zwischen dem britischen Geheimdienst und dem deutschen Nachrichtendienst. Die Hauptfigur, Markus Cheng höchstpersönlich, taucht in diesem Band erst auf Seite 100 auf. Zuvor steht der erfolglose Autor Moritz Mortensen im Fokus von Steinfests Erzählung. Gemeinsam mit Mortensen begibt sich Markus Cheng im Laufe der Geschichte auf die Suche nach einer Mörderin, die ihre Opfer porträtiert und damit ihren Tod einleitet. Als Cheng ein Porträt von sich findet, beginnt der Wettlauf gegen die Zeit.

Im Gegensatz zum ersten Teil hatte ich hier weniger Schwierigkeiten der Geschichte, ihren Figuren und den Verstrickungen einzelner zu folgen. Auch hier kann ich wieder nur sagen – ein klassischer Steinfest! Ich mag die einzigartigen Charaktere einfach. Einzig, dass Wien in diesem Buch keine Rolle spielt, fand ich schade.

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(c) Piper

Ein dickes Fell: Chengs dritter Fall

Cheng kommt zurück nach Wien! Ein Auftrag von Seiten des norwegischen Geheimdiensts sorgt nicht nur dafür, dass Markus Cheng in seine Heimatstadt zurückkehrt sondern auch dafür, dass er in seinem ehemaligen Büro in der Lerchenfelder Straße seine (große) Liebe findet. Im Zentrum des dritten Teils der Markus Cheng-Reihe steht die Suche nach einem Lebens erweckenden Elixier – das  originale 4711. Cheng wird hier abermals in eine abstruse Geschichte um Leben und Tod verwickelt, die sich leider etwas zieht. Das am Buchrücken befindliche Zitat „Steinfests bestes Buch“ kann ich definitiv nicht teilen. Ja, die Story war gut und unterhaltsam, hätte aber durchaus auch auf den üblichen 300 Seiten abgehandelt werden können – stattdessen dehnt Steinfest die Geschichte hier auf fast 600 Seiten. Mein persönliches Highlight des Buches: Das Happy End für Markus Cheng. Immerhin habe ich den einarmigen Detektiv nun schon so lieb gewonnen, dass es einen tatsächlich das Herz erwärmt, als Ginette Rubinstein in sein Leben tritt.

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(c) Piper

Batmans Schönheit: Chengs letzter Fall

Cheng ist im Ruhestand. Nachdem er sein privates Glück gefunden hat, hängt er den Detektivberuf an den Nagel und gibt sich ganz dem Job Ehemann und Stiefvater hin. Doch die Idylle währt nicht lange, denn als eine mysteriöse Mordserie in Wien startet und auch noch Chefinspektor Straka bei den Ermittlungen verschwindet, gibt es nur einen, der der Wiener Polizei helfen kann – Markus Cheng. Ein letztes Mal begleiten wir Cheng bei dem was er am besten kann: unkonventionell ermitteln. Neben der Mordserie spielt auch eine mystische Dimension in diesem Band eine Rolle. Engel sollen in Körpern von Menschen wohnen und den Kampf zwischen Gut und Böse auf der Erde austragen. Verfolgt werden sie von sogenannten Jägern, wie Palle Swedenborg, der Mann hinter der Mordserie, einer ist. Übersinnliche Aspekte, etwa Außerirdische, die in Menschenkörpern wohnen, oder Zeitreisende, spielen in Steinfests Büchern immer wieder eine Rolle und fügen sich auch gut in die Geschichten ein. Das Ende des vierten Teils lässt dann Raum für Spekulationen. Denn hier wird der Leser mit einem großen Fragezeichen zurückgelassen. Ist Cheng nun selbst ein Engel? Oder ist er mit Straka immer noch gefangen? Oder stimmt gar das Ende des ersten Teils, in dem Cheng zum U-Bahn-Reiniger in China degradiert wurde? Steinfest sagt uns nicht, wie die Geschichte um Markus Cheng ausgeht, sondern lässt jedem Leser seinen ganz eigenen Raum für Interpretation. So kann sich jeder sein eigenes Ende für Markus Cheng, den einarmigen Detektiv chinesischer Abstammung, der aber waschechter Wiener ist, ausmalen.

Mein Fazit

Ich liebe die Bücher von Heinrich Steinfest! Die Charaktere versprühen trotz ihrer Grantigkeit und ihrer Eigenheiten so einen Charme, das man sie am liebsten persönlich kennenlernen möchte. Allen voran natürlich Cheng, denn man als Leser gerne auf seinen Ermittlungen begleitet. Obwohl es sich bei Steinfests Büchern um Krimis handelt, spielt immer auch eine „übersinnliche“ Komponente mit, die die Bücher von anderen, klassischen Kriminalfällen, unterscheidet. Ein unterhaltsames Lesevergnügen!

Meine Bewertung: 4 von 5 Lesezeichen für die gesamte Reihe.

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