Christina Gschwendtner mit ihrem Buch und einer Giraffe
Ausflüge Wien

Buchtipp: 111 Geschichten aus dem Tiergarten Schönbrunn, die man kennen muss

Der Tiergarten Schönbrunn zählt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Wiens und ist weit über die Stadtgrenzen hinaus beliebt. Doch hinter den Gehegen und historischen Gebäuden verbergen sich zahlreiche spannende Geschichten, die man als Besucher*in oft gar nicht mitbekommt. Genau hier setzt das im Emons Verlag erschienene Buch 111 Geschichten aus dem Tiergarten Schönbrunn, die man kennen muss von Christina Gschwendtner an.

Das Buch versammelt 111 Geschichten rund um den Tiergarten – von historischen Ereignissen über besondere Tierpersönlichkeiten bis hin zu überraschenden Einblicken in den Zooalltag. Dafür ist die Autorin tief in den Alltag des Tiergartens eingetaucht und hat mit Mitarbeiter*innen aus den unterschiedlichsten Bereichen gesprochen. So erfahren Leser*innen unter anderem, wie der Alltag eines Tiergartendirektors aussieht, welche ungewöhnliche „Wohngemeinschaft“ Rote Pandas eingegangen sind oder wie beschlagnahmte Chamäleons erfolgreich nachgezüchtet werden konnten.

Gerade diese Mischung aus großen und kleinen Geschichten macht das Buch besonders abwechslungsreich und gibt spannende Einblicke hinter die Kulissen des ältesten Zoos der Welt. Abgerundet wird das Buch von den für seine Natur- und Tierfotografien bekannten Fotografen Daniel Zupanc.

Spannende und facettenreiche Einblicke

Jede Geschichte ist kompakt auf einer Seite beschrieben und eignet sich perfekt zum Schmökern oder als Vorbereitung für den nächsten Besuch im Tiergarten Schönbrunn. Gleichzeitig liefern die Texte viele Hintergrundinformationen. Besonders gut gefällt mir, dass nicht nur bekannte Tiere wie die Pandas oder Eisbären im Fokus stehen, sondern auch weniger offensichtliche Themen wie Artenschutz, Forschung oder der Alltag der Mitarbeiter*innen ihre Bühne bekommen.

Auch wer den Tiergarten Schönbrunn bereits gut kennt, wird im Buch vermutlich noch Neues entdecken. Es lädt dazu ein, genauer hinzuschauen und sich auch mit den Geschichten hinter den einzelnen Anlagen und Tieren zu beschäftigen. Nach dem Lesen bekommt man auf jeden Fall Lust, wieder durch den Tiergarten zu spazieren und dabei auf Details zu achten, die man sonst vielleicht übersieht.



111 Geschichten aus dem Tiergarten Schönbrunn: Interview mit Autorin Christina Gschwendtner

Mehr über die Entstehung des Buches und die Recherche verrät die Autorin Christina Gschwendtner im Interview:

Wie entstand die Idee zu diesem Buch?

Als Autorin der 111er-Serie des Emons-Verlages, ist man immer auf der Suche nach interessanten Orten dieser Welt, die eine oder besser gesagt 111 Geschichten zu erzählen haben. Der Tiergarten Schönbrunn ist solch ein Ort. Die Kombination aus historischem Kulturerbe mit modernster Tierhaltung gibt es weltweit kein zweites Mal.
Als waschechte Wienerin gehörten die regelmäßigen Zoobesuche meiner Kindheit zum fixen Familienprogramm und auch mit meinen beiden Töchtern ging und geht es oft in den Tiergarten. Ein Tiergarten bedeutet eine Menge Verantwortung: für die Tiere, die Natur und die Gesellschaft. Einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und zu sehen wie eine Institution wie diese ihrer Verantwortung gerecht wird, hat mich schon immer interessiert. Als Besucher*in bleibt so vieles verborgen und unentdeckt, so umfangreich ist das Engagement des Tiergartens etwa im Artenschutz oder in der Erhaltungszucht. Ich bin sehr froh und dankbar, dass mir der Tiergarten Schönbrunn die Möglichkeit gegeben hat, seine spannendsten Geschichten in diesem Buch festzuhalten und ich freue mich, dass mit dieser Lektüre zahlreiche Besucher*innen den Tiergarten Schönbrunn hoffentlich noch ein Stückchen besser kennenlernen dürfen.

Was hat dich am Tiergarten Schönbrunn besonders fasziniert?

All die Jahre bin ich als Besucherin quasi „blind“ durch den Zoo gegangen. Mit diesem Hintergrundwissen sehe ich jetzt Vieles ganz anders. Was mich am meisten begeistert hat war das Fachwissen und Engagement der Mitarbeiter*innen. Man kann sagen: Alle Mitarbeiter*innen leben für ihren Zoo.

Welche Geschichte aus dem Buch hat dich persönlich am meisten überrascht?

Zu erfahren, wie viele Welterstnachzuchten aus Schönbrunn hervorgegangen sind, angefangen von den Winkerfröschen über die Südamerikanische Schnappschildkröte bis zur Grünen Baumeidechse und dem Krokodilschwanzteju, fand ich besonders spannend. Das Forscherinteresse ist enorm, ebenso die Geduld und Hartnäckigkeit aller Beteiligten. Allein bei den Winkerfröschen hat es ganze drei lange Jahre gedauert, bis man sich zu den ersten Kaulquappen beglückwünschen konnte.
Auch die auf den ersten Blick unscheinbaren Bewohner des Vogelhaus haben mich persönlich sehr überrascht. Besucher mit wenig Geduld gehen oft viel zu schnell durch das Vogelhaus. Dabei lassen sich hier echte Raritäten entdecken, wie etwa der Prachtpipra. Hier hat der Tiergarten Schönbrunn die einzige Zuchtgruppe innerhalb des europäischen Zooverbandes. Die Aufzucht der Küken ist sehr pflegeintensiv. Aber auch andere Vogelarten wie der Bananaquit oder der Kenia-Ziernektarvogel sind kaum in europäischen Zoos zu sehen. Das Bewusstsein um dieses Alleinstellungsmerkmal macht den Tiergarten Schönbrunn so einzigartig.

Christina Gschwendtner mit ihrem Buch
Christina Gschwendtner nimmt die Leser*innen mit auf eine spannende Tour durch den Tiergarten Schönbrunn. (Copyright: Christina Gschwendtner)

Hast du einen Lieblingsplatz im Tiergarten Schönbrunn?

Ja, das ist der Platz bei der Mähnenspringer-Berberaffen WG. Die Kombination aus leichter Anhöhe, Abgeschiedenheit und tollem Wien-Blick finde ich sehr angenehm.  Meistens liegen auch die Mähnenspringer sehr zufrieden auf ihren Felsen und scheinen die Ruhe und Aussicht ebenso zu genießen.

Welche Geschichte würdest du Leser*innen besonders ans Herz legen?

Das Kapitel über die Waldrappe. Dieses Wiederansiedelungs-Projekt ist ergreifend. Dabei werden Waldrappe von Hand aufgezogen um dann den Ziehmüttern auf Zurufen in ihr Überwinterungsquartier nach Andalusien zu folgen. Die Ziehmutter sitzt im Ultraleichtflugzeug, die Jungvögel fliegen hinterher. Bis 2028 gilt es eine sich selbst erhaltende Population von 357 Waldrappe in Mitteleuropa anzusiedeln.

Werden auch Wiener*innen, die den Tiergarten gut kennen, noch Neues entdecken?

Auf jeden Fall. Mit 17 Artenschutzprogramme in der Wildbahn und 57 Erhaltungszuchtprogrammen tut sich ständig etwas. Auch neue Gehege bzw. Projekte warten darauf entdeckt zu werden, Stichwort generalsaniertes Regenwaldhaus mit dem Chinesischen Schuppentier. Die neue Aqua-Forschungsstation gibt Einblick in die Forschungsarbeit und Nachzucht von 60 bedrohten Süßwasserfischen und das Artenschutz-Aquarium wird die Besucher durch die verschiedensten Wasserlebensräume führen. Und das Artenschutzhaus ist auch relativ neu. Es ist unglaublich, wie viele geschmuggelte Tiere von der Zollbehörde im Laufe der Jahre beschlagnahmt wurden und ihren Weg in den Tiergarten Schönbrunn fanden. Im neuen Artenschutzhaus werden nicht nur die seltenen Tiere wie die Dreikiel-Schanierschildkröte, Sandgeckos oder Krokodilschwanztejus, sondern auch deren bewegte Geschichte vor den Vorhang geholt.

Mit welchem Tier aus dem Tiergarten würdest du gerne einmal einen Tag verbringen?

Mit den Giraffen. Allein die Anatomie dieser Tiere lässt einen viele Fragen stellen. Zu beobachten, wie sie mit ihren langen Zungen geschickt durch das engmaschige Gitternetz der Heukörbe manövrieren, übt eine gewisse Faszination aus. Für ein Foto durfte ich mit den Riesen auf einer Augenhöhe sein und sie mit Weidenästen füttern. Das war ein einmaliges Erlebnis. Diese besondere Begegnung kann übrigens jede Besucher*in bei der Giraffen-Verführung auch erleben und kann ich wirklich nur empfehlen!

*Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Emons Verlag zur Verfügung gestellt.

 

Hast du eine besondere Geschichte oder Erlebnis aus dem Tierpark Schönbrunn? Dann erzähl mir gerne in den Kommentaren darüber!

 

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Aussicht am Grand Canyon

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